
Opus 45-Konzert, Lesung, Zeitzeuge: „Ich wand’re durch Theresienstadt …“
Das Büro für Demokratie und Zusammenhalt der Wissenschaftsstadt Darmstadt lädt - in Kooperation mit dem Förderverein Liberale Synagoge Darmstadt und der Initiative Nie wieder ist jetzt - ein im Rahmen der noch bis 27. Januar 2027 Reihe „Vor Antisemitismus ist man nur auf dem Monde sicher“ (Hannah Arendt): So tritt am Samstagabend, 5. Dezember 2026, um 18.00 Uhr der Schauspieler Roman Knižka gemeinsam mit dem Bläserquintett OPUS 45 mit ihrem erinnerungskulturellen Literatur- und Musikkonzert „Ich wand’re durch Theresienstadt …“ erneut in Darmstadt auf. Veranstaltungsort ist das Ludwig-Georgs-Gymnasium (LGG; Nieder-Ramstädter Straße 264283 Darmstadt, in der Kleine Aula).
Im Blickpunkt: Das Schicksal der im Ghetto und NS-Todeslager Theresienstadt inhaftierten Jüdinnen und Juden. Knižka liest Erinnerungen von Überlebenden sowie Gedichte von Kindern und Jugendlichen. Musik von Pavel Haas, Hans Krása, Viktor Ullmann und Gideon Klein erzählt vom außergewöhnlichen kulturellen Leben unter unmenschlichen Bedingungen. Zahlreiche Darmstädter Jüdinnen und Juden wurden gewaltsam nach Theresienstadt verschleppt und dort ermordet oder durch Zwangsarbeit in den Tod getrieben. Unter ihnen befand sich die bekannte expressionistische, in ihrer Darmstädter Wahl-Heimat lebende Malerin Gertrud Ullmann. Der von der Darmstädter Edith-Stein-Schule initiierte Theresienstadt-Gedenkstein am Darmstadtium (nahe Hiroshima-Platz) erinnert an die große Zahl der dorthin deportierten und umgebrachten Darmstädter Opfer.
Im Jahr 1941 errichtete die SS in der böhmischen Stadt Terezín das Todeslager Theresienstadt. Es diente bis 1945 als Lager für 150.000 deutsche, österreichische, tschechische, später auch holländische und dänische Juden. Sie alle wurden zu Opfern der menschenverachtenden nationalsozialistischen Rassenideologie. Jede:r vierte der in Theresienstadt inhaftierten Jüdinnen und Juden starb dort. Von den fast 15.000 Kindern, die nach Theresienstadt kamen, überlebten nur 132. Für Unzählige war der Ort ein „Vorhof der Hölle“. Die letzte Station vor dem Weitertransport in Todeslager wie das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.
Das Opus 45-Ensemble tourt mit seinen Stücken durch ganz Deutschland. Die Veranstaltung des Büros für Demokratie und Zusammenhalt mit Kooperationspartnern wird von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung gefördert. Der Eintritt ist frei. Um Voranmeldung wird aus Planungsgründen unter gebeten. Weitere Infos: www.darmstadt.de
Besonderer Gast des vom städtischen Büro für Demokratie und Zusammenhalt federführend organisierten Abends ist der Holocaust-Überlebende und Zeitzeuge Ernst Grube, der von etwa 20.00 Uhr an nach dem erinnerungskulturellen Literatur-Musikkonzert zu einem Zeitzeugengespräch live und digital zugeschaltet wird.
Im Februar 1945 wurde er als Kind gemeinsam mit seiner aus Darmstadt stammenden Mutter und seinen Geschwistern gewaltsam von den NS-Tätern nach Theresienstadt deportiert. Nach der Befreiung von der NS-Diktatur und Kriegsende 1945 kam er wegen seines politischen Engagements in der Bundesrepublik erneut in Haft. Grubes familiäre Wurzeln reichen unmittelbar nach Darmstadt: Seine Mutter stammte aus einer deutsch-jüdischen Familie unserer Stadt; seine Großmutter und eine Schwester seiner Mutter lebten hier, wurden alle von Darmstadt aus deportiert. Das digitale Live-Gespräch mit Ernst Grube moderiert die Dramaturgin Kathrin Liebhäuser vor Ort.
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